Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders stark betroffen. Die Folgen sind gemäss der BAFU-Studie 2020, "Klimawandel in der Schweiz", häufigere Hitzewellen und trockene Sommer. Damit dürfte auch die Anzahl der sogenannten «Kühlgradtage» deutlich zunehmen. Diese messen die Anzahl Stunden, in denen die Umgebungstemperatur über einem Schwellenwert liegt, bei dem ein Gebäude gekühlt werden muss, um die Innentemperatur angenehm zu halten. Wenn deshalb vermehrt Kühlgeräte in privaten Haushalten installiert werden, könnte der Energiebedarf für die Kühlung von Gebäuden, der bereits durch das Bevölkerungswachstum zunehmen wird, noch weiter ansteigen.
Versuchslabor NEST der EMPA mit erschreckender Prognose
Um ein besseres Verständnis für die Zunahme des Kühlbedarf in der Schweiz zu bekommen, haben Empa-Forschende den Heiz- und Kühlbedarf des Forschungs- und Innovationsgebäudes NEST analysiert. Dessen bewohnter Teil hat etwa den Heizbedarf eines modernen Mehrfamilienhauses. Die gewonnenen Zahlen sind repräsentativ, wenn davon ausgegangen wird, dass der durchschnittliche Schweizer Gebäudepark dem NEST-Gebäude entspricht.
«Unter Einbezug der Umgebungstemperaturen konnten wir basierend auf den Klimaszenarien für die Schweiz eine Hochrechnung zum zukünftigen thermischen Energiebedarf von Gebäuden durchführen. Dabei haben wir neben dem Klimawandel auch das Bevölkerungswachstum und einen zunehmenden Einsatz von Kühlgeräten berücksichtigt», erklärt Robin Mutschler, Postdoc am «Urban Energy Systems Lab» der Empa. Das Resultat: Geht man von einem extremen Szenario aus, bei dem die gesamte Schweiz auf Klimaanlagen angewiesen wäre, würde bis Mitte des Jahrhunderts fast genauso viel Energie zum Kühlen wie zum Heizen benötigt. In Zahlen ausgedrückt, entspricht dies etwa 20 Terawattstunden (TWh) pro Jahr für das Heizen und 17.5 TWh für das Kühlen.