Am 9. Juni hat das Schweizer Stimmvolk das Stromgesetz mit 69 Prozent angenommen. Ein weiterer Schritt, damit die Schweiz ihre gesetzten Klimaziele erreichen kann. Aber erneuerbarer Strom allein vermeidet in der Schweiz noch keine Tonne CO2: Die Elektrifizierung der Mobilität und der Gebäude ist entscheidend, um die Klimaziele zu erreichen. Da besteht noch Nachholbedarf.
Das Stromgesetz warf wichtige Fragen auf: Was sind die Folgen der Energiewende für Landschaft und Artenvielfalt? Und kann man gleichzeitig das Klima schützen, die Biodiversität erhalten und die Energieversorgung sichern?
Forschung zu Zielkonflikten
Es sind genau solche Schnittstellen und Zielkonflikte, mit denen sich die Schweiz in den kommenden Jahren auf dem Weg in die Klimaneutralität konfrontiert sieht. An diesen Schnittstellen forscht SPEED2ZERO, eine gemeinsame Initiative der Institutionen des ETH-Bereichs. In einem Whitepaper haben Forschende des Konsortiums aus den Fachbereichen Biodiversität, Landschaft, Energie und Klima einige dieser Abwägungen aus wissenschaftlicher Sicht bewertet und zusammengefasst. [1]
Die Diskussionen rund um das Stromgesetz, aber auch um die bevorstehende Abstimmung im Herbst zur Biodiversitätsinitiative sind sehr wichtig. Denn weltweit und gerade auch in der Schweiz geht die Biodiversität besorgniserregend zurück. Die Ursachen dafür sind hauptsächlich die Urbanisierung und die Landwirtschaft, aber nur in geringem Ausmass die Energieinfrastruktur.
Dennoch gibt es ihn, diesen Zielkonflikt zwischen neuen Anlagen und dem Schutz der Biodiversität: Wasserkraftwerke unterbrechen die Wanderwege von Fischen und stören das ökologische Gleichgewicht der Flüsse; Solaranlagen werfen Schatten und können Vegetation und Tiere beeinträchtigen; Vögel und Fledermäuse kollidieren mit Windturbinen. So sterben gemäss Studien in der Schweiz pro Windturbine etwa so viele Vögel, wie zwei Hauskatzen pro Jahr fressen.
Allerdings trägt der Klimawandel selbst zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Gelingt es uns nicht, ihn einzudämmen, wird das immer wärmere Klima voraussichtlich zu einem der Haupttreiber des Artensterbens. Hinzu kommt, dass der Klimawandel bereits Landschaften im grossen Stil verändert. Davon zeugen die abschmelzenden Gletscher, aber auch der auftauende Permafrost, der Berge bröckeln und Hänge instabil werden lässt, oder verdorrende Waldstriche wegen langer Trockenperioden. Ein zentrales Argument für die gesetzten Klimaziele ist denn auch, die verheerenden Folgen für Biodiversität und Landschaften zu mindern.