Mit der Energiestrategie 2050 hat die Schweiz den Weg eingeschlagen hin zu einer CO2-neutralen Energieversorgung. Die erforderliche Elektrifizierung der Mobilität und der Wärmeversorgung, aber auch die zunehmend dezentrale Energieproduktion und -speicherung, stellen neue Anforderungen an die Versorgungsinfrastruktur. Dadurch ändert sich nicht nur die Art und Weise, wie Verteilnetze betrieben werden – die Netze erleben derzeit ihren grössten Umbau seit der Gründung der ersten Elektrizitätswerke.
Der kosteneffiziente und stabile Betrieb des Verteilnetzes der Zukunft erfordert drei Elemente:
- Einen gezielten und vorausschauenden Netzausbau
- Ein aktives Management von Netzengpässen
- Ein aktives Management der Ausgleichsenergie, respektive verbesserte Prognosen
Noch manifestieren sich Netzengpässe oder hohe Kosten für Ausgleichsenergie nur punktuell. Der aktuelle Zubau von PV-Anlagen ist meist möglich, weil Netzinfrastrukturen in der Vergangenheit vorausschauend – aus damaliger Sicht könnte man auch sagen überdimensioniert – geplant wurden. Wir profitieren heute von Leistungsreserven in der vorhandenen Infrastruktur, die wir unseren Vorläufern zu verdanken haben. Diese Reserven werden nun schneller aufgebraucht, als der Netzausbau neue schaffen kann. Damit steigt die generelle Auslastung der Infrastruktur. Gleichzeitig verlieren die Netzbetreiber die Eingriffsmöglichkeit bei den lokalen Flexibilitäten aufgrund der neuen Gesetzeslage (Flex Opt-out).
Die Politik hat gerade erst wahrgenommen, wie wichtig ein bedarfsgerechter Netzausbau für die langfristige Versorgungssicherheit ist und welche Kosten dies mit sich bringt. Bis politische Lösungen vorliegen, werden zahlreiche Anlagen bereits am Netz sein. Somit obliegt es den Netzbetreibern, jetzt aktiv zu werden und die möglichen Probleme bereits frühzeitig zu adressieren.
Lösungsansätze sind vielfältig und noch hat sich kein Standard etabliert. Klar scheint: Netzausbau allein ist kein zielführender Ansatz. Es braucht die richtige Incentivierung der Stromkonsumentinnen und -konsumenten sowie die adäquate Messung und Regelung des Verteilnetzes. Unabhängig vom Lösungsansatz gilt es für Energieversorgungsunternehmen (EVU), folgende vier Ebenen zu beachten:
A) Ein aktives Management des Verteilnetzes ist nur möglich, wenn Infrastruktur und Flexibilitäten vom EVU erschlossen werden.
B) Ein zunehmend dezentral geprägtes Verteilnetz sollte in erster Linie dezentral optimiert werden.
C) Ein gutes Verständnis des aktuellen Zustands (z.B. vorhandene Engpässe oder Spannungsverletzungen) ist nötig.
D) Die Voraussetzungen für zentrale Regeleingriffe sollten geschaffen werden.