Gefährdet Fachkräftemangel Energiestrategie 2050?

Die Umsetzbarkeit der neuen Energiepolitik steht und fällt nicht zuletzt mit der Verfügbarkeit adäquat ausgebildeter Fachleute. Der VSE leistet mit seinem Engagement für eine bedürfnisgerechte und zukunftsgerichtete Berufsbildung einen wichtigen Beitrag dazu. Gefordert ist aber auch die Politik, indem sie Rahmenbedingungen für einen offenen Arbeitsmarkt setzt und die MINT-Fächer in den Schulen aufwertet. 

 

Die Strombranche am Puls der Zeit 

Der VSE setzt sich traditionell stark für eine qualitativ hochstehende Berufsbildung ein. Er greift Entwicklungen frühzeitig auf und generiert daraus neue, zukunftsgerichtete Berufsbildungsangebote. Damit bereitet sich die Branche bereits heute auf die Herausforderungen von morgen vor und leistet sowohl einen wichtigen Beitrag zur Umsetzbarkeit der Energiestrategie 2050 als auch zur Stärkung des Werkplatzes Schweiz.

 

 

 
Das Bildungsangebot des VSE

 

Mit der Ausbildung zum «Energie- und Effizienzberater/in» legt der VSE in Koordination mit anderen Branchenverbänden den Grundstein für eine kundenspezifische Optimierung des Gesamtenergiebedarfs. Im Fokus stehen Themen wie die Wahl des Energieträgers, die Energiebeschaffung, eine allfällige Eigenproduktion sowie die Planung und Umsetzung von Effizienzmassnahmen. Dieser neue Lehrgang startet im Herbst 2014 und war ab Bekanntgabe innert kurzer Zeit ausgebucht.

 

Das Vorweggehen des VSE mit innovativen Bildungsangeboten wird auch vom Bundesrat lobend anerkannt. Dieser hat unlängst auch selbst mit der Lancierung einer Bildungsinitiative auf die grundlegende Bedeutung ausreichender Fachkräfte für die Umsetzung der neuen Energiepolitik aufmerksam gemacht und im Rahmen von EnergieSchweiz Massnahmen ergriffen.

 

Noch einen Schritt weiter geht der VSE mit dem in Aufbau befindlichen Berufsbild des «Dispatcher/in Energie und Wasser» (Start voraussichtlich 2015) sowie den geplanten Ausbildungen zum «Spezialist/in Betrieb und Unterhalt Energienetze» und zum «Smart Energie Spezialist/in». Diese innovativen Angebote sind eine Antwort auf das zunehmende Zusammenwachsen der Energienetze (Netzkonvergenz) und den vermehrten Einsatz neuer Kommunikationstechnologien. Sie sorgen dafür, dass morgen die benötigten Spezialisten für den Betrieb, die Koordination und die spartenübergreifende Optimierung sowie ein effizientes Krisen- und Störungsmanagement in Strom-, Gas-, Wasser-, Fernwärme- und Datennetzen zur Verfügung stehen.

 

 

 
Die Energiestrategie führt zunehmend zu einem Zusammenwachsen der Energienetze
Die Energiestrategie führt zunehmend zu einem Zusammenwachsen der Energienetze

 

Politisches und gesellschaftliche Bekenntnis zur Berufsbildung

Das zuverlässige Funktionieren der Energieversorgung bedingt allerdings nicht nur die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachleute, sondern auch eine genügende Anzahl an Spezialisten. Das alleinige Engagement der Strombranche reicht hierfür nicht aus. Es braucht die Unterstützung durch die Politik und letztlich die Gesellschaft, indem die Berufsbildung speziell in den Bereichen Technik und Informatik gestärkt wird. Zudem gilt es, den Arbeitsmarkt offen zu halten, damit der Rückgriff auf ausländisches Fachpersonal jederzeit möglich ist.

 

Denn nebst der Motivation der heutigen Berufsleute, in ihrem angestammten Berufsumfeld zu verbleiben, liegt eine der grossen Herausforderungen in der Ausbildung von Nachwuchsfachkräften. Einerseits stellt die die steigende Komplexität des Energieversorgungssystems  immer höhere Ansprüche an die Berufsleute. Andererseits werden der Berufsbildung zunehmend die leistungsstarken Oberstufenschüler durch die Gymnasien entzogen. Von den Berufsschülern schliesslich wählen über 40% kaufmännische Berufe oder Berufe im Hoch- und Tiefbau. Nur gerade knapp 5% der Berufsschüler schliessen dagegen mit einem Fähigkeitszeugnis im Bereich «Elektrizität und Energie» ab. Der «Kampf um Talente» dürfte in Zukunft noch härter werden. Umso wichtiger ist es, dass die Branche mit attraktiven und zukunftsgerichteten Berufsbildungsangeboten aufwartet.

 

Was Hänschen nicht lernt… 

Das grosse Engagement des Branchenverbands in der Berufsbildung und der Unternehmen in der Lehrlingsausbildung können aber letztlich nur dann Früchte tragen, wenn die Grundlagen bereits in der Schule gelegt werden. Es braucht eine stärkere Sensibilisierung des Lehrpersonals einerseits und der Kinder andererseits für naturwissenschaftliche Themen sowie eine Aufwertung der MINT-Fächer. Der VSE hat dies erkannt. Er hat seinerseits zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Zürich und der ETH Zürich stufengerechte Unterrichtsmaterialien entwickelt, welche Schülern die faszinierende Welt der Stromversorgung eröffnen. Denn nur was Hänschen lernt, kann Hans später zum Nutzen gereichen.

 

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