Das Rad der Energieeffizienz muss nicht neu erfunden werden

Bei der Debatte um die Ausgestaltung der künftigen Energiepolitik entsteht zuweilen der Eindruck, dass der angestrebte Umbau des Energieversorgungssystems eine Erfindung der Post-Fukushima-Ära ist. Dabei wird verkannt, dass sowohl der Ausbau der erneuerbaren Energien als auch die Verbesserung der Energieeffizienz bereits seit geraumer Zeit Realität sind. Vor allem ihre Energieeffizienz hat die Schweiz dank der Massnahmen der Wirtschaft markant verbessert. Anlass genug, den Fokus auf die Optimierung dieser bewährten Instrumente zu richten, anstatt neue praxisferne Regularien mit schädlichen Nebenwirkungen zu schaffen.  

 

Signifikante Effizienzgewinne bereits realisiert

So wurden hierzulande im Laufe der letzten 20 Jahre signifikante Verbesserungen der Energieeffizienz erzielt. Dies belegt unter anderem der unlängst vom renommierten deutschen Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme entwickelte «Energy Transformation Index (ETI)», der es erlaubt, nationale Fortschritte beim Umbau des Energieversorgungssystems hin zu mehr erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zu messen und vergleichbar zu machen.

 

Gemäss diesem Index nimmt die Schweiz heute im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Sie hat in den vergangenen Jahren vor allem die Energieeffizienz markant verbessert. Die bestehenden Effizienzinstrumente, allen voran die Massnahmen der Wirtschaft sind also wirksam. Allein die Unternehmen, die mit der Energieagentur der Wirtschaft eine Zielvereinbarung eingegangen sind, haben ihre CO2-Intensität seit dem Jahr 2000 um rund 35 Prozent verringert und ihre Energieeffizienz um fast einen Viertel gesteigert. 

Diese Instrumente haben sich also bewährt und zur Entkopplung des Energie- und Stromverbrauchs von den traditionellen Verbrauchstreibern beigetragen: Das Wirtschaftswachstum oder die Zunahme der Wohnfläche beispielsweise sind in jüngerer Zeit stärker gewachsen als der Energie- und Stromverbrauch. 

 

Ausgewogene Energiepolitik

Ein weiteres internationales Ranking zeigt, dass die Schweiz bis anhin eine ausgesprochen ausgewogene Energiepolitik verfolgt hat. Der «Energy Sustainability Index» des Weltenergierates (WEC) beurteilt die Fähigkeit der Länder, die drei zum Teil divergierenden Ansprüche nach Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung miteinander in einem Gleichgewicht halten können. Der Index attestiert der Schweiz eine weltweit vorbildliche Balance dieses «Energie-Trilemmas». Unsere moderate und traditionell auf den Prinzipien von Subsidiarität und Kooperation beruhende Politik hat uns diesen internationalen Spitzenplatz in den letzten Jahren gesichert. 

 

Der WEC empfiehlt denn auch, die Gestaltung, Unterstützung und erfolgreiche Umsetzung von vorsichtigen und vorausschauenden Energiepolitiken weiterzuführen, die den örtlichen Ressourcen und Möglichkeiten Rechnung tragen. Gleichzeitig warnt er die Schweiz, dass die jüngsten Entwicklungen und möglichen Änderungen der bisherigen Politik im Zug der Energiestrategie 2050 das Nachhaltigkeits-Gleichgewicht aus dem Lot bringen könnten. 

 

Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten

Die Spitzenpositionen der Schweiz im Energy Transformation Index und im Energy Sustainability Index beweisen, dass wir  bis dato einiges richtig gemacht haben. Dieser Umstand verdient nicht nur Anerkennung. Er sollte auch dazu Anlass geben, den Fokus auf die Optimierung der bewährten Instrumente zu richten, anstatt neue praxisferne Regularien mit schädlichen Nebenwirkungen zu schaffen.

An derartigen Ideen und Vorschlägen fehlt es bekanntlich nicht, vor allem im Strombereich. Die vorgeschlagene Einführung verursacherwidriger Zwangsvorgaben für Stromlieferanten oder Verteilnetzbetreiber zur Senkung ihres Absatzes gehört dabei zu den prominentesten Beispielen. Wer den Stromkonsum zum Problem erhebt und ihm so zu Leibe rücken will, fördert vor allem die Bürokratie, nicht aber die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz und der Klimabilanz. Bei der Gestaltung von Instrumenten ist vielmehr auf das Gesamtsystem zu fokussieren, das Verursacherprinzip zu beachten und den Marktkräften ihren Raum zu lassen. 

Die parlamentarische Diskussion zur Energiestrategie 2050 wird zeigen, ob Augenmass, der Blick fürs Ganze und das Vertrauen in die vorhandene Innovationskraft der Marktakteure doch noch stärker gewichtet werden als die Versuchung, das Rad neu erfinden zu wollen. Dies ist zu wünschen, nicht zuletzt damit die Schweiz auch in Zukunft an der Spitze bleibt.

 

 

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