Swissgrid präsentiert solides Ergebnis 2018 in anspruchsvollem Umfeld

In 2018 hat Swissgrid ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von CHF 119,4 Mio. (2017: CHF 124,9 Mio.) erzielt. Das Unternehmensergebnis steigt unwesentlich gegenüber dem Vorjahr auf CHF 65,6 Mio. (2017: CHF 65,3 Mio.). Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung eine Gewinnausschüttung von CHF 32,8 Mio. (2017: CHF 29,4 Mio.). Die Schweiz ist zunehmend vom europäischen Strommarkt ausgeschlossen, jedoch im Winter auf Importe angewiesen. Swissgrid begrüsst die politische Diskussion zur Versorgungssicherheit, sieht aber bei der vorgeschlagenen Speicherreserve Klärungsbedarf.
03.04.2019

«Swissgrid blickt auf ein herausforderndes Jahr zurück – geprägt durch den erfolgreichen Umzug nach Aarau, den Netzausbau und die Rolle der Schweiz im europäischen Stromnetz», sagt Yves Zumwald, CEO von Swissgrid. «Dank der konsequenten Umsetzung unserer Effizienzmassnahmen und dem grossen Engagement der Mitarbeitenden können wir ein solides Ergebnis präsentieren.»

EBIT und Unternehmensergebnis

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beträgt CHF 119,4 Mio. und verringert sich gegenüber dem Vorjahr um 4,4% (2017: CHF 124,9 Mio.). Durch den konsequenten Abbau der Deckungsdifferenzen sank das betriebsnotwendige Vermögen gegenüber dem Vorjahr, was zu einer weiteren Abnahme des EBIT beitrug.

Aufgrund des tieferen Finanzaufwands 2018 gegenüber 2017 infolge der ersten Teilrückzahlung von Wandeldarlehen resultiert mit CHF 65,6 Mio. ein um CHF 0,3 Mio. höheres Unternehmensergebnis als im Vorjahr (2017: CHF 65,3 Mio.).

Weitere Reduktion der Kosten

Der Beschaffungsaufwand liegt mit CHF 263,4 Mio. deutlich unter dem Vorjahreswert von CHF 294,1 Mio. Diese Abnahme ist eine Folge der deutlich tieferen Kosten für die Regelleistungsvorhaltung und des tieferen Aufwands für ungewollten Austausch von CHF 79,0 Mio. (2017: CHF 135,4 Mio.) im Segment allgemeine Systemdienstleistungen (SDL). Auch in den Segmenten Netznutzung und Wirkverluste haben die Kosten im Berichtsjahr abgenommen. Im Segment Netznutzung sind Nachvergütungen für Betriebs- und Kapitalkosten an ehemalige Übertragungsnetzeigentümer von CHF 3,2 Mio. (2017: CHF 15,1 Mio.) angefallen. Im Segment Individuelle SDL Wirkverluste betrugen die Beschaffungskosten CHF 68,6 Mio. (2017: CHF 80,4 Mio.). Im Vorjahr war diese Position durch die Berücksichtigung einer Nachentschädigung in der Höhe von CHF 10 Mio. zusätzlich belastet. Demgegenüber hat sich der Beschaffungsaufwand im Segment Blindenergie von CHF 50,3 Mio. aufgrund höherer bezogener Mengen im Vergleich zum Vorjahr (2017: CHF 42,2 Mio.) erhöht.

Der Betriebsaufwand fällt dank Effizienzmassnahmen CHF 14,9 Mio. tiefer als im Vorjahr aus. Dazu hat auch der um CHF 5,6 Mio. tiefere Personalaufwand wesentlich beigetragen. Die Abwicklung der Aufträge gemäss Energiegesetz sowie die Ausstellung der Herkunftsnachweise wurden im Berichtsjahr 2018 erstmals direkt durch die Pronovo AG durchgeführt. Bis 2017 wurden diese Aufträge durch die Stiftung KEV von Mitarbeitenden von Swissgrid abgewickelt. Folglich hat sich der Personalbestand reduziert, was sich in tieferen Personalkosten niederschlägt.

Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom 6. Mai 2019 für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividendenauszahlung von CHF 32,8 Mio. (2017: CHF 29,4 Mio.).

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2019

Im Hinblick auf die Modernisierung und den Umbau des Übertragungsnetzes ist mit einem Investitionsvolumen für die Netzinfrastruktur auf dem Niveau von 2018 zu rechnen. Das Unternehmensergebnis wird aufgrund des für 2019 unveränderten WACC von 3,83% stabil bleiben. Swissgrid setzt die im Frühjahr 2018 kommunizierte Strategie 2022 weiter um. Darin enthalten sind Effizienzsteigerungen wie auch Massnahmen für eine sichere Stromversorgung sowie eine Erhöhung der Sicherheit für Menschen, Anlagen und Umwelt. Die Umsetzung dieser Massnahmen wird zu einem Anstieg der Betriebskosten führen.

Stabile Stromversorgung durch Netzausbau und Vernetzung mit Europa

2018 konnte Swissgrid im Wallis und im Kanton Aargau mit dem Bau von zwei wichtigen Leitungsprojekten aus dem «Strategischen Netz 2025» beginnen. Am «Gäbihübel» in der Gemeinde Bözberg entsteht die erste Erdverkabelung auf der 380-kV-Spannungsebene in der Schweiz und auf dem Abschnitt zwischen Chamoson und Chippis sind die ersten Strommasten nun im Bau. Um die inländische Produktion voll auszuschöpfen und die Importfähigkeit zu steigern, muss die Modernisierung des Übertragungsnetzes jedoch weiter beschleunigt werden.

Die Mitarbeit von Swissgrid bei internationalen Kooperationen ist aufgrund des fehlenden Stromabkommens zwischen der Schweiz und der Europäischen Union gefährdet. Das nicht geschlossene Abkommen führte bereits zum Ausschluss der Schweiz beim lastflussbasierten Market Coupling in Zentraleuropa und damit zu einer Zunahme an ungeplanten Flüssen durch die Schweiz. Der Ausschluss wirkt sich negativ auf die Netzsicherheit aus und führt zu steigenden Redispatch-Kosten, einer sinkenden Solidarität unter den Netzbetreibern und einer potentiell abnehmenden Importfähigkeit. Auf Importe ist die Schweiz im Winter aufgrund wegfallender heimischer Produktion jedoch zunehmend angewiesen.

Swissgrid verhandelt mit allen kontinentaleuropäischen Übertragungsnetzbetreibern eine Lösung, um auch ohne Stromabkommen die betrieblichen Prozeduren der Zusammenarbeit für die Schweiz systemverträglich zu gestalten. Ebenso setzte sich Swissgrid 2018 gemeinsam mit der ENTSO-E, dem Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, für eine Teilnahme an den Regelenergiekooperationen ein. Swissgrid kann nun am grenzüberschreitenden Markt für Primärregelenergie und beim Netzregelverbund weiterarbeiten. Die Teilnahme an weiteren Regelenergiekooperationen ist jedoch gefährdet.

Revision des Stromversorgungsgesetzes und Klärung der Verantwortlichkeiten

Swissgrid befürwortet die Diskussion um die Versorgungssicherheit in der aktuellen Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG). Der im Gesetz vorgeschlagenen Lösung in Form einer Speicherreserve steht Swissgrid jedoch kritisch gegenüber. Bei der konkreten Ausgestaltung der Speicherreserve besteht erheblicher Klärungsbedarf bezüglich Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Zudem bringt eine reine Reservierung der vorhandenen Energie (z.B. Wasser in den Speicherseen) in den kritischen Wintermonaten nicht das nötige «Mehr» an Energie ins System. Nur mit der Integration in den europäischen Strommarkt können nachhaltige Lösungen für die Versorgungssicherheit gefunden werden.

Wahlen in den Verwaltungsrat

Sämtliche bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrats der Swissgrid AG stehen an der Generalversammlung vom 6. Mai 2019 zur Wiederwahl zur Verfügung. Für den nach dem Rücktritt von Andreas Rickenbacher nicht besetzten zweiten Sitz der Kantone hat die Konferenz der kantonalen Energiedirektoren (EnDK) Markus Kägi als Vertreter im Verwaltungsrat der Swissgrid AG nominiert. Markus Kägi war 12 Jahre Regierungsrat des Kantons Zürich und stand der Baudirektion vor. Vor seiner Wahl zum Regierungsrat wirkte er 10 Jahre als Ombudsmann des Kantons Zürich. (swissgrid)