Ein Tunnel schafft Hochspannung

15.05.18

Mit dem Projekt «Jura Nord» wird das Bruderholz zur «Stromdrehscheibe» der Region. Kernstück ist das Unterwerk Froloo, das 2014 in Betrieb genommen wurde. Für die Bauetappe vom Unterwerk Froloo Richtung Allschwil und Basel setzen die EBM und IWB für das letzte Teilstück das bisher spektakulärste Bauvorhaben um. Dazu wird unter dem Sichelweg in Bottmingen hindurch mittels Microtunneling-Technik eine unterirdische Trasse mit zwei Metern Durchmesser auf 530 Meter Länge und 65 Metern Höhenunterschied gebohrt. Am 15. Mai wurde die Bohrmaschine unter den Augen der Gäste und der Schutzpatronin Barbara gesegnet und auf den Namen «Lena» getauft.

Im Rahmen des Projekts «Jura Nord» wird die Energieversorgung in der Nordwestschweiz optimiert. Dabei hat ein modernes Indoor-Unterwerk das alte Freiluft-Unterwerk Froloo auf dem Bruderholzplateau abgelöst. Zukünftig wird das Unterwerk Bottmingen aufgehoben und rückgebaut. Fertiggestellt sind die Verbindungen nach Osten vom Unterwerk Froloo nach Münchenstein sowie nach Westen Richtung Therwil. Die EBM konnte dabei neue Methoden und Verfahren des Leitungsbaus für elektrische Starkstromtrassen anwenden und mit den Lieferanten weiterentwickeln. Dabei kamen innovative Verfahren wie der Leitungsbau mit flüssigem Boden und das Einpflügen von 30 Zentimeter dicken Leitungsrohren zur Anwendung.

Noch nicht abgeschlossen ist der unterirdische Leitungsbau vom Unterwerk Froloo Richtung Norden. Diese Trasse verbindet das neue Unterwerk Froloo mit der Stadt Basel sowie der Region Bottmingen bis Allschwil. Den eigentlichen Flaschenhals bildet ein Siedlungsgebiet in Bottmingen. Gegen die Baueingabe für eine unterirdische Leitungstrasse gingen während des Baugenehmigungsverfahrens mehrere Einsprachen ein und verzögerten die Fertigstellung dieses Abschnitts um zwei bis drei Jahre.

Nun konnte eine Einigung erzielt werden. Die unterirdische Trasse wird unter dem Sichelweg mit einem Bohrvortrieb gebaut, dem sogenannten Microtunneling, um die Auswirkungen der Baustelle auf die Anwohner möglichst gering zu halten.

Die Bohrung geschieht mit einer Bohrmaschine mit 2 Metern Durchmesser. Die Maschine ist eine kleine Ausführung der riesigen Apparate, wie sie im Bölchen- oder Gotthard-Tunnel zum Einsatz kamen. Zur Bohrung sind ein grosser Startschacht im Sichelweg an der Kreuzung zur Therwilerstrasse und ein Zielschacht im Chnebelackerweg notwendig. Während rund 3 Monaten wird sich die Maschine über eine Länge von 530 Metern den Berg hocharbeiten und mehrere Kurven durchfahren. Im Startschacht «füttert» ein Kran das Loch mit 3 Meter langen Betonröhren, welche die hydraulische Presse den Berg hoch drückt. Das Material, welches der Bohrkopf abräumt, wird durch dicke Schläuche nach unten zur Separationsanlage befördert. Diese Anlage reinigt die Spülung vollständig von Feststoffen wie Kies, Steinen und Sand und fördert die Flüssigkeit wieder hoch zum Bohrkopf, um dort den Abraum aufzunehmen und wieder nach unten zu transportieren.

Beim Tunnelbau ist es Tradition, den Bohrkopf zu taufen. Dies ist am 15. Mai, gleich nach der Ankunft der Maschine geschehen. Nun ist «Lena», die Bohrmaschine, in Aktion, gräbt sich in etwa 10 Metern Tiefe durch den Boden und wird im August im Chnebelacker wieder das Tageslicht sehen. Eine weitere Herausforderung wird das Einziehen des 530 Meter langen Rohrpaketes in den Tunnel sein. Anschliessend werden die restlichen Hohlräume verfüllt.

Bevor der Startschacht geschlossen wird und die Strasse wieder instandgestellt werden kann, werden die Anschlussbauwerke mittels einer Rammung unter dem Unterwerk Bottmingen hindurch zum Birsig und mittels konventionellem Tiefbau an die Trasse Richtung Basel in der Therwilerstrasse angeschlossen. Wenn alles so läuft wie geplant, können die Kabel im Herbst 2019 vom Unterwerk Froloo her eingezogen und anschliessend in Betrieb genommen werden.

Für die Anwohner des Wohnquartiers in Bottmingen haben die Bauarbeiten einen grossen Vorteil. Nach Fertigstellung  werden die 145-kV-Freileitung vom Unterwerk Froloo zum Unterwerk Bottmingen und die Gittermasten rückgebaut.   (ebm)

 

 

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