Strommarktdesign

Der Bundesrat hat Ende September 2019 das weitere Vorgehen im Nachgang zur Vernehmlassung der Revision StromVG festgelegt. Diese Revision schlägt Anpassungen bei der Organisation des Strommarktes vor, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dazu kommt neu ein Projekt zur Neugestaltung der Fördermassnahmen für erneuerbare Energien im Rahmen des Energiegesetzes (EnG). Der VSE begrüsst, dass die Versorgungssicherheit für den Bundesrat oberste Priorität hat.

Die Vorschläge des Bundesrates umfassen insbesondere die vollständige Öffnung des Strommarktes sowie die Einführung einer Speicherreserve für allfällige kritische Versorgungssituationen im Winter. Als Begleitmassnahme zur Marktöffnung sollen die Investitionsanreize in die einheimischen erneuerbaren Energien verbessert und damit die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Abgesehen von diesen strommarktspezifischen Aspekten möchte der Bundesrat den Rechtsrahmen für das Netz in mehreren Punkten anpassen.

Der zunehmende Abbau gesicherter Kapazitäten (AKW, Kohle) verändert den Strommarkt grundlegend. Denn dezentral produzierter Strom, etwa aus Photovoltaik, steht nicht immer dann zur Verfügung, wenn er gebraucht wird.

Die Versorgungssicherheit ist prioritär

Für den VSE ist die Versorgungssicherheit prioritär. Beispielsweise ist innerhalb von wenigen Jahren ein massiver Abbau an gesicherter Kapazität absehbar, der sich negativ auf die Importfähigkeit der Schweiz auswirken wird. Um die Risiken für die Versorgungssicherheit in der Schweiz sachlich einschätzen zu können, müssen alle kritischen Elemente im Visier sein. Der VSE hat dazu im Juli 2019 seine Einschätzung publiziert. 

Um die langfristige Versorgungssicherheit durch eine angemessene Produktion im Inland gewährleisten zu können, muss die Finanzierung dieser Anlagen sichergestellt werden. Der Bundesrat hat daher Recht, wenn er mehr Planungssicherheit und Investitionsanreize für die Erneuerbaren schaffen und die Unterstützungsmassnahmen marktnäher gestalten will. Nur wenn in die bestehende und in neue einheimische Produktion investiert wird, kann die Versorgungssicherheit langfristig in allen Jahreszeiten sichergestellt werden.

Ein wirksames Marktdesign muss effiziente Märkte und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, damit die Richtwerte der Energiestrategie 2050 und die Klimaziele der Schweiz erreicht und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden können. Nebst Instrumenten für die kurzfristige Versorgungssicherheit wie die Speicherreserve braucht es langfristige Anreize für Investitionen in bestehende und neue Produktionsanlagen sowie Massnahmen, welche bei langanhaltend tiefen Marktpreisen wirksam werden. Bestandteil des Marktdesigns ist zudem eine Flexibilisierung des Wasserzinses, welche bei einer allfälligen vollständigen Marktöffnung umso dringlicher wird. 

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Dokumente VSE

Medienmitteilung: Versorgungssicherheit im Zentrum (27.09.2019)
VSE-Einschätzung: «System-Adequacy-Studien Schweiz: Notwendige Annahmen für eine sachliche Einschätzung der Stromversorgungssicherheit» (11.07.2019)
Politische Feder, Bulletin 6/2019: Neue Dynamik
Politische Feder, Bulletin 4/2019: Auf Kurs bringen
Politische Feder, Bulletin 12/2018: Trügerische Sicherheit
Meinungsbeitrag Die Volkswirtschaft: Braucht es einen offenen Strommarkt? (22.11.2018)
Medienmitteilung: Revision StromVG: Versorgungssicherheit muss die zentrale Grösse sein (17.10.2018)
Medienmitteilung: Europäische Stromverbände: Nachhaltigere Wirtschaft braucht eine tragfähige Energieversorgung (10.10.2018)
Gemeinsame Erklärung 10 europäischer Stromverbände zur Versorgungssicherheit: Joint appeal from energy industry and industry associations to secure the electricity supply in Europe (09.10.2018)
Politische Feder, Bulletin 8/2018: Jetzt gilt es ernst
Politische Feder, Bulletin 4/2018: Entwarnung? Keineswegs!
Politische Feder, Bulletin 2/2018: Bitte ohne Scheuklappen!
Politische Feder, Bulletin 9/2017: Vier Schlüsselfragen