Pumpspeicher sind für ein funktionierendes Gesamtsystem und die Versorgungssicherheit langfristig von grosser Bedeutung

 

Der VSE fordert seit längerem Massnahmen zur Förderung der erneuerbaren, C02-freien und einheimischen Wasserkraft. Verschiedentlich hat der VSE auch auf die sehr schwierige wirtschaftliche Situation der Pumpspeicherkraftwerke hingewiesen und betont, dass beim Umbau des Energiesystems nebst der Produktion auch Speicherung und Netzausbau integriert in Angriff genommen werden müssen. Der Bericht «Pumpspeicher im trilateralen Umfeld Deutschland, Österreich und Schweiz», den das Bundesamt für Energie (BFE) in Absprache mit den Ministerien in Deutschland und Österreich in Auftrag gegeben hat, bestätigt dies. Der VSE fordert die Regierungen der drei Länder auf, im politischen Alltag gemäss den Feststellungen der Studie zu handeln. Als massgebender Markt ist insbesondere Deutschland gefordert, bezüglich Pumpspeicherkraftwerken aktiv zu werden – gerade mit Blick auf die kommende Diskussion um Marktdesign und dezentrale Leistungsmärkte.

  
 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Wasserkraftwerke, und damit auch Pumpspeicherwerke, haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Zu den Treibern für die Marktverzerrungen gehören tiefe Kohle- und CO2-Preise, Förderung von Schiefergas in den USA, schleppende wirtschaftliche Entwicklung in Europa, Wechselkurs Franken/Euro und die Förderung der erneuerbaren Energien, vor allem in Deutschland. Dass es sich dabei um eine Realität handelt, unterstrich Ende 2013 die Studie des Bundesamtes für Energie (BFE) zu den Perspektiven der Grosswasserkraft in der Schweiz.

 

Auch die aktuelle, trilaterale Studie zur Zukunft von Pumpspeicherkraftwerken in der Schweiz, Österreich und Deutschland kommt zum Schluss, dass Pumpspeicherkraftwerke zwar wichtig, aber derzeit wegen den Verzerrungen nicht wirtschaftlich sind. Die Autoren der Studie halten fest, dass Neuinvestitionen heute nur schwierig zu begründen sind, da Pumpspeicherwerke zu geringe Deckungsbeiträge erwirtschaften. Sie werden als derart gering erachtet, dass «die grossen erforderlichen Investitionskosten nicht amortisiert werden können und vom Bau neuer Pumpspeicherwerke abgesehen wird.» Der Bericht «Pumpspeicher im trilateralen Umfeld Deutschland, Österreich und Schweiz», den das Bundesamt für Energie (BFE) in Absprache mit den entsprechenden Ministerien in Deutschland und Österreich beim Energy Science Center (ESC) der ETH Zürich in Auftrag gegeben hat, identifiziert folgende Bereiche, die vertieft zu diskutieren sind: Rolle des Marktes, Versorgungssicherheit, Netzausbau und Systemdienstleistungen.

 

Der VSE begrüsst diese Diskussionsansätze und betont vor allem die Notwendigkeit von marktorientierten Anreizen, welche die langfristige Versorgungssicherheit gewährleisten, den Bedarf an grenzüberschreitenden, internationalen Zusammenarbeit und den Wandel des Marktsystems zugunsten von Flexibilitätsprodukten, wie sie derzeit in Deutschland mit den dezentralen Leistungsmärkten diskutiert werden. Von zentraler Bedeutung ist zudem der koordinierte Ausbau der Übertragungsnetze, da Pumpspeicherwerke nur dann ihr Potenzial voll zur Geltung bringen können, wenn auch in Zukunft die nötigen Transportkapazitäten auf dem Übertragungsnetz verfügbar sind.

 

Zudem verweist der VSE auf die Schlussfolgerungen im Bericht der «Energie-Initiative der Alpenländer» der drei Landesverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz - BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft), Österreichs E-Wirtschaft und dem VSE. In diesem Bericht, der im März 2013 erschienen ist, fordern die drei Verbände folgende Massnahmen:

 

  • Faire Rahmenbedingungen für Pumpspeicherwerke
  • Angepasste und beschleunigte Genehmigungsverfahren
  • Grenzüberschreitende Kooperationen im liberalisierten Strommarkt
  • Funktionierende Märkte als Voraussetzung für Investitionen in Speicher: Grenzüberschreitende Gleichbehandlung und freier Marktzugang, Entlastung von kontraproduktiven Abgaben und ein Verzicht auf marktstörende nationale Eingriffe und Subventione
  • Abbau von Hemmnissen für die C02-freie Bereitstellung von Systemdienstleistungen durch Pumpspeicher, Adaptierung des Marktdesigns auf den Strommärkten durch Beseitigung offensichtlicher Fehlentwicklungen.

Der VSE fordert die politischen Akteure zum entschiedenen Handeln gemäss den Feststellungen der eigenen Studie auf. Denn Pumpspeicherkraftwerke leisten mit ihrer systemstabilisierenden Wirkung einen zentralen Beitrag zur bedarfsgerechten, zuverlässigen und nachhaltigen Stromproduktion – und damit zur Versorgungssicherheit in der Schweiz und im angrenzenden Ausland. Dank ihrer Flexibilität spielen sie eine sehr wichtige Rolle bei der Integration der stochastischen Stromproduktion aus Windkraft und Sonnenenergie. Da dieser Anteil stetig zunimmt, wird der Bedarf an Spitzenenergie und Regelkapazität und damit die Bedeutung der Pumpspeicherwerke ebenfalls laufend zunehmen. Mehr noch: Wie die Wasserkraft allgemein, gehören speziell auch die Pumpspeicherwerke dank ihren Eigenschaften zu den strategischen Komponenten in der Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundesrates.