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Sind die Kosten für selbst produzierten Strom gleich hoch wie der entsprechende Bezug aus dem Netz, so gewinnt die Eigenproduktion stark an Attraktivität und muss nicht mehr zusätzlich unterstützt werden. Diese Situation wird als Netzparität (Grid Parity) bezeichnet. Allerdings kann die Netzparität auf zwei unterschiedliche Arten betrachtet werden. Der Besitzer einer Produktionsanlage (Eigenproduzent) vergleicht die Kosten seiner Produktion mit jenen, die er durch den geringeren Strombezug aus dem Netz vermeiden kann. Aus volkswirtschaftlicher Sicht hingegen ist der Punkt relevant, ab dem die gesamten Kosten des Stromversorgungssystems durch die dezentrale Produktion geringer werden.

Nachfrageflexibilisierung: Steuerung des Stromverbrauchs

Nachfrageflexibilisierung umfasst Aktivitäten der Endverbraucher und der Energieversorger, um die Nachfragelast ausgeglichener zu verteilen und Lastspitzen zu glätten oder um die Lastkurve beispielsweise an jene der stochastischen Energieerzeugung anzugleichen. Denn der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft stellt die Schweizer Stromversorgung vor neue Herausforderungen – die Stromproduktion wird vermehrt vom Wetter abhängen. Mit der sogenannten Nachfrageflexibilisierung ist es möglich, die Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage ein Stück weit zu steuern. Dies kann einerseits über tarifliche Anreize beim Konsumenten, anderseits über steuerungstechnische Methoden geschehen.

Internationaler Handel mit Strom, Grünstrom-Zertifikaten und Emissionsrechten

Strom wird international und grundsätzlich nach denselben Regeln wie andere Produkte gehandelt. Allerdings gibt es einige Besonderheiten, die mit den speziellen physikalischen Eigenschaften von Strom zusammenhängen: Da Strom nicht speicherbar ist, kann er nicht auf Vorrat, sondern nur auf einen bestimmten Zeitpunkt geliefert werden. Dies wirkt sich auf den Handel aus, weil die Geschäfte mit kurz- und langfristigen Risiken verbunden sind.

Europäische und nationale Instrumente zur CO2-Reduktion

Die EU hat sich 1997 mit dem Kyoto-Protokoll gegenüber der Staatengemeinschaft verpflichtet, den CO2-Ausstoss bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20% zu verringern. Bis 2030 strebte die EU eine CO2-Reduktion von 40% an. Mit dem European Green Deal von der Kommissionspräsidentin von der Leyen, der im Dezember 2019 vorgestellt wurde, soll nun erreicht werden, europaweit die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 50 % und angestrebt um 55 % gegenüber 1990 zu senken. 2050 sollen netto keine Treibhausgasemissionen mehr freigesetzt werden. Um CO2-Reduktionen zu erreichen, wurde nach Kyoto als Instrument das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) eingeführt. Ein Überangebot von Zertifikaten und eine schwache Nachfrage hat die Lenkungswirkung zur CO2-Vermeidung für eine längere Zeit ausgehebelt. Der Zertifikatspreis war dafür zu niedrig. Mit der Einführung der Marktstabilitätsreserve (MSR) zum 1.1.2019 wurde die beabsichtigte Wirkung und die Funktionsfähigkeit des EU-ETS gestärkt. Die MSR baut den derzeit hohen Zertifikatsüberschuss im EU-ETS ab, indem Zertifikate vorübergehend ggf. vom Markt genommen werden. Zudem wird die jährliche Ausgabe an Zertifikaten nun stärker gemindert. Der CO2-Zertifikatspreis ist seither wieder gestiegen und sorgt für einen beginnenden Fuel-Switch zwischen Kohle und Gas.

Kapazitätsmechanismen

Bei einem Kapazitätsmechanismus wird nicht die Produktion, sondern die Verfügbarkeit von Kraftwerkskapazität vergütet. So wird dafür gesorgt, dass Kapazitäten auch in Situationen grosser Knappheit, ausreichend vorhanden sind und keine Ausfälle der Stromversorgung auftreten. Ein solcher Mechanismus kann je nach Motivation und Ausgangslage unterschiedlich gestaltet sein. Das wichtigste Merkmal echter Kapazitätsmärkte ist jedoch das Ziel, dass (Re-) Investitionen getätigt werden. Dazu müssen Investoren durch mehrjährige Verträge eine gewisse Sicherheit erhalten.

Energiesparen durch Verhaltensänderung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Energie zu sparen. Am einfachsten und bequemsten ist dies mit technischer Energieeffizienz zu realisieren, wobei die bestehende, ineffiziente technische Einrichtung durch eine energieeffizientere ersetzt wird. Das bedingt meistens eine Investition. Schwieriger wird die Erzielung der freiwilligen Energieeinsparung durch die Änderung des Verhaltens. Dies ist sicherlich die nachhaltigste Lösung, aber auch die anspruchsvollste.

Elektromobilität

Die Elektromobilität erlebt seit einigen Jahren einen Aufschwung. Gründe hierfür sind die angestrebte Reduktion der CO2-Emissionen und technologische Fortschritte, insbesondere bei den Batterien. Auch in der Schweiz bietet die Elektromobilität der Strombranche Chancen für neue Geschäftsmodelle und gleichzeitig Herausforderungen – vor allem in den Bereichen Verteilnetz und Ladeinfrastruktur. Verschiedene Projekte und Aktivitäten rund um die Elektromobilität sind in der Schweiz bereits im Gang. Allerdings fehlt heute eine entsprechende Strategie auf politischer Ebene. Der vermehrte Einsatz von Elektrofahrzeugen wird den Stromverbrauch zwar erhöhen. Die Zunahme wird jedoch auf absehbare Zeit gering sein. Wegen der hohen Energieeffizienz von Elektroantrieben sinkt der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz, wenn Elektrofahrzeuge konventionelle Benzin- und Dieselautos ersetzen. Da die Elektrofahrzeuge zum grössten Teil zu den abendlichen Spitzenlaststunden aufgeladen werden, müssen Verteilnetzbetreiber allenfalls Lösungen zur Flexibilisierung der Nachfrage einsetzen.

Effizienzsteigerung – Potenziale

Die stetige Verbesserung der Energieeffizienz ist ein bedeutender Einflussfaktor auf die Energie- und Stromnachfrage. In der Vergangenheit haben die nachfragesteigernden Faktoren wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum allerdings überwogen. Manche Energieeffizienzsteigerung kann durch Substitution fossiler Energieträger auch zu Strom-Mehranwendung führen. Energie- und Stromeffizienzpotenziale sind sektor- und anwendungsspezifisch unterschiedlich hoch und unterschiedlich schnell erschliessbar, denn das Ausschöpfen der bestehenden Effizienzpotenziale wird durch verschiedene Hemmnisse behindert. Dazu gehören unter anderem regulatorisch verordnet tiefe Energiepreise, mangelndes Wissen über vorhandene Möglichkeiten oder fehlendes Kapital für notwendige Investitionen. Diese Hemmnisse gilt es, zukünftig zu reduzieren. Für Elektrizitätsversorgungsunternehmen bietet der Bereich Energieeffizienz Möglichkeiten, um das Geschäftsfeld zu erweitern.

Einflussfaktoren auf die Stromnachfrage

Das vorliegende Dokument untersucht die Faktoren, welche die Entwicklung der Stromnachfrage beeinflussen. Anhand entsprechender Zahlen der Vergangenheit lässt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Bevölkerungs- beziehungsweise Wirtschaftswachstum und Stromnachfrage nachweisen. Ferner führt eine höhere Gesamtenergieeffizienz zu einem grösseren Anteil des Stroms an der Gesamtenergie und damit zu höherem Stromverbrauch (Effekt der Substitution). Das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie die Entwicklung der Stromnachfrage hängen zusammen. Wird ein wirtschaftliches Wachstum angenommen, ist auch mit einem Wachstum der Stromnachfrage zu rechnen. Dieses kann nur mit einschneidenden Massnahmen auf gesetzlicher Ebene gedämpft werden.